Ein Abschied fällt schwer, doch dieser besonders

Immer wieder verabschiedet man sich von Personen die einem Nahe stehen, insbesondere der Familie. An sich ist es nichts besonderes da das Wiedersehen nicht in weiter Ferne liegt. Doch dieses Mal ist alles anders.

Abschiede kennen meine Familie und ich. Mein Bruder Jannik, meine Schwester Jessica, meine Mutter Andrea und mein Vater Stefan kennen es seit Jahren. Mein Vater hat sich viele Male von uns verabschiedet um für die Bundeswehr ins Ausland zu gehen. Viele Male mussten wir ihn für längere Zeit gehen lassen und das Gefühl werde ich wohl nie vergessen. Vor dem letzten Auslandseinsatz habe ich zum Abschied ein Foto mit meinem Vater gemacht, welches ich heute noch habe. Ich wusste, dass es der letzte Abschied dieser Art sein sollte, doch umso größer war die Angst, dass ihm etwas passiert.

Nun ist es das zweite Mal, dass ich mich von meiner Familie für längere unbestimmte Zeit verabschiede. Bereits 2010 bin ich ins Ausland gegangen. Nicht um zu reisen, sondern um dort zu arbeiten. Das Ziel war Budapest in Ungarn. Mein erster Job nach meiner Ausbildung. Der Abschied viel schwer doch er war auf maximal ein Jahr ausgelegt (zurück war ich nach 3 Monaten). Nun, die Weltreise. Meine Freundin und ich teilen nicht nur unseren Geburtstag sondern auch einen Traum: Eine Weltreise. Ein Traum mit mehreren Änderungen, Euphorie und Niederschlägen. Doch er wird umgesetzt. Gerade sitze ich im Flugzeug. Seit über 6 Stunden und habe noch 5 weitere vor mir. Im Kopf läuft der Abschied revue. Es fällt nicht leicht. Am 31.01.2020 sind wir nach der Wohnungsübergabe zu zweit zu meiner Familie gefahren. Meine Schwester hat ihre Schichtpläne angepasst damit sie da sein kann. Und es war schön. Wir hatten einen tollen Abend. Man wusste, das es der letzte für eine lange Zeit sein wird. Nicht wie beim letzten Mal nach Budapest für maximal ein Jahr, nicht wie Urlaube für 1-3 Wochen. Nein, für wahrscheinlich 2 Jahre. Ein seltsames Gefühl.

Meine Familie und ich haben das Glück (wofür wir das ein oder andere mal beneidet wurden) gemeinsam in den Urlaub fahren zu können. Mit meinem Bruder bin ich einmal gemeinsam nach Budapest geflogen. Diese Stadt hatte es mir angetan. Aus einem Mal wurden viele Male quer durch Europa. Und viele Male mit der Familie. Es macht Spaß, es ist Stress, es ist Erholung und es ist eine Art Wunder, denn nicht immer hat man sich gut verstanden und nicht immer wollten meine Eltern ins Warme fliegen. Doch sie sind auf den Geschmack gekommen. Mein Vater als er mit mir und seinem besten Freund Marko (mit dem ich auch eine tolle Zeit in New York hatte) nach Rom geflogen ist. Ich habe meine Eltern mit dem Reisefieber angesteckt. Und ich bin sehr stolz drauf. Alleine zu fliegen ist toll und man lernt sich selbst noch besser kennen, aber das zusammen reisen und Erinnerungen zu teilen ist etwas anderes.

Gemeinsam waren wir in Malta und Rom und entweder sind wir alle zusammen, oder alleine, oder mit der Freundin / dem Freund unterwegs um die Welt zu entdecken. Und das man all diese Möglichkeiten hat ist schön. Gemeinsam nur mit den Geschwistern zu vereisen ist anstrengend doch unvergesslich gewesen (der NOTAusstieg meiner Schwester mit der Frage warum die Englisch und Deutsch schreiben bleibt wohl auf ewig ein Insider :D)

Das Video folgt vllt noch ;)Für den letzten Abend hält meine Schwester noch eine kleine Überraschung parat. Ein Video das sie selbst erstellt hat für unsere Weltreise mit Videos der wichtigsten Menschen in meinem Leben die zum Abschied noch einmal winken.

31.01.2020 Abends. Meine Schwester muss gehen und verabschiedet sich mit einer schönen Umarmung von mir. Bei dem letzten Abschied vor dem Abflug nach Budapest haben wir noch alle bei meinen Eltern gewohnt. Die letzten Worte meiner Schwester weiß ich bis heute. Witzig und traurig: Mit wem soll ich denn jetzt angeben wenn mein großer Bruder weg ist? Nun geht sie zur Haustür und umarmt meine Mutter. Ich stehe noch da um sie zu sehen bis die Tür zu geht und sehe, dass sie auf einmal riesige Kullertränen in den Augen hat. Auch ich… Ja, lieber Nino, auch Männer weinen ;). Also gehe ich zu ihr hin und umarme sie. Sie weint sehr, doch ich weiß, dass sie mich besuchen wird und tröste sie. Noch ein Kuss auf die Stirn und dann der Abschied für eine längere Zeit, aber nicht für immer. Doch die Umarmung tut gut. Mir und ich denke ihr ebenfalls sehr. Man versteht sich nicht immer, doch ist immer füreinander da.

Mein Bruder geht ein wenig später. Er weiß bereits, dass er mich besuchen wird. Nur das Land steht noch nicht fest. Es war ein guter Abend. Wir hatten von Whiskey über seine Kettenfett Shots alles. Guter Whiskey pur und günstiger mit Cola. Und Kettenfett Lakritz Shots. Nicht mein Favorit aber es schmeckt wie Lakritzschnecken. Wir Norddeutschen mögen das. Meine Freundin aus Heidelberg dagegen eher weniger. Ein lustiges Gesicht das sie da gemacht hat.

Meine Eltern fahren uns am nächsten Morgen zum Bahnhof in Rheinbach. Der Morgen nach dem Aufstehen ist seltsam. Eine Mischung aus „In wenigen Tagen bin ich auf Weltreise“ und „Oh man, was mache ich hier. Wie weit gehe ich weg und wie lange werde ich meine Familie nicht sehen?“. Die Minuten laufen in Zeitlupe und vergehen dennoch wie im Flug. So ist es dann soweit, dass man am Bahnhof unter der Überdachung steht und noch ein wenig quatscht bevor es die letzten Umarmungen gibt. Ein Foto mit meinen Eltern. Meine Mutter die mir dabei die Wange abknutscht und mein Vater daneben. Als ich in den Zug steige ist es soweit… Ich werde meine Familie lange Zeit nicht persönlich sehen. Doch werde ich mit vielen Erfahrungen zurückkommen. Und die Pläne nach der Weltreise wurden ebenfalls bereits angesprochen. Es bleibt also spannend…

So sitze ich also im Zug, auf der Fahrt zum nächsten Abschied. Allerdings nicht meiner, sondern der meiner Freundin von ihrer Mutter und dem Freund, dem Vater und der Freundin und ihren beiden kleinen Halbgeschwistern. Der Abschied von ihrer Zwillingsschwester Maria ist bereits vollzogen. Und der fiel ihr sichtlich schwer.

3 thoughts on “Ein Abschied fällt schwer, doch dieser besonders

  1. Jetzt habe ich nur noch den kleinen Bruder hier, mit dem ich Geschwisterlich streiten kann. ☹️ Aber wird alles in 2 Jahren nachgeholt ☝️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.