Die Besteigung des Lang Biang auf 2167m Höhe

Wie kommen wir zum Berg?

Die Stadt Da Lat ist erkundet und somit soll es am heutigen Tag (16.02.2020) auf den Lang Biang auf 2167m Höhe gehen. Es war Lisas erste „richtige“ Wanderung, deshalb freute sie sich besonders. Ich war gespannt wie sie die Wanderung durchhalten würde. Geplant sind ca. 600 Höhenmeter und insgesamt ca. 10km Strecke mit teilweise 40% Steigung. Nachdem wir endlich herausgefunden hatten, dass es eine normale Busverbindung (wenn man das hier normal nennen kann, aber dazu gleich mehr) gibt, sind wir morgens extra früh aufgestanden, haben uns fertig gemacht und sind mit vollgepacktem Rucksack los. Zuerst haben wir an der Rezeption gefragt wo die Bushaltestelle ist. Die Information stimmte nicht mit der überein die wir online fanden und wurde an der zweiten Rezeption von einem weiteren Mitarbeiter auch widerlegt. An dem zuletzt in Erfahrung gebrachten Ort angekommen wurde uns dort in einem Hotel auf Nachfrage gesagt, dass wir doch woanders hin müssen. Somit ging die Wanderung also schon los bevor wir am Startpunkt waren. Wir sollten zum Da Lat Market und dort nach den Bussen sehen. Vor Ort fanden wir dann auch alle möglichen, bis auf unseren. Einige Rollerfahrer die uns auf ihren Motorbikes dort hin bringen wollten nannten uns verschiedene Zeiten zu denen der Bus angeblich erst kommen würde. Nur einer stellte sich später heraus, sagte die Wahrheit. Dieser war auch derjenige, der den geringsten Preis pro Person verlangt hat (50.000 Dong was ungefähr 2€ entspricht). Andere erzählten von Zeiten die uns seltsam vorkamen und verlangten teilweise das doppelte. Wir aber wollten heute den Bus nehmen. Auch um herauszufinden ob es diesen wirklich gab. Ein Besitzer von einem der zahlreichen kleinen Geschäfte sprach uns an und sagte uns, wann der Bus kommen würde. Um 9:30 Uhr. Die Linie 5 nach Lang Biang. Wir tranken dort einen Kaffee, bekamen noch grünen Tee gratis dazu, und warteten 45 Minuten auf den Bus. Bei uns saß eine Frau die ebenfalls auf diesen Bus wartete wie der Mann uns erklärte. Als der Bus kam nahm sie uns mit und verriet im Bus noch der Mitarbeiterin (es gibt immer einen Fahrer und eine/n Ticketverkäufer/in), dass wir uns hier nicht auskennen. Diese gab uns dann freundlicherweise einen Zettel mit den Rückfahrzeiten des Busses. Ein Glück, denn wir hatten schon damit gerechnet ein Taxi nehmen zu müssen. So konnte es nun also zum Startpunkt unserer Wanderung los gehen.

Die Wanderung

Vor Ort angekommen gab es einen großen Parkplatz und bereits den ersten Blick Richtung Bergspitze. Wir nahmen den rechten der beiden Wege da wir zu Fuß über den unbefestigten Weg und nicht auf der asphaltierten Straße hoch wollten. Ganz oder gar nicht :). Die Umgebung bestand auf den ersten Kilometern aus vielen Gewächshäusern und Planen von Farmen die uns noch eine Weile begleiten sollten. Der Weg bestand aus Steinen und rotem Lehm. Die Aussicht war bereits nach den ersten 10 Minuten wunderschön und man konnte bereits ziemlich weit sehen. Kamen uns auf dem Weg bei den Farmen eben noch Motorbikes entgegen so war es nun ruhiger. Die Landschaft wurde kahler und wir liefen nicht mehr an Gewächshäusern entlang. Nur einige Bäume, darunter auch Kaffee, und andere angebauten Pflanzen. Der Weg führte uns dann weiter in einen Pinienwald. Der Geruch war herrlich. Die Natur war hier so sauber im Vergleich zu den Städten wo leider überall sehr viel Müll rumliegt (auch in den Parks). Der Geruch und der Anblick hier unter den bis zu 15m hohen Bäumen war einwandfrei sauber. Ab und an kamen uns ab hier andere Wanderer entgegen und wir waren bereits gespannt auf den nächsten Teil des Weges. Doch erst einmal war das Ziel die Gabelung mit der Straße die wir gemieden hatten. Dort war eine kleine Pause eingeplant. Die Hitze war ziemlich heftig und wir hatten lange Kleidung an da wir nicht wussten ob kurze Hosen in einer fremden Umgebung beim Wandern vorteilhaft gewesen wären. Lisa hielt gut mit und genoss die Zeit in der Natur genauso wie ich. Der Straße mussten wir dann nur einige Meter folgen bis der Haupteingang, an dem wir eigentlich Eintritt zahlen sollten, zu sehen war. Dieser sah allerdings sehr verwahrlost aus und keiner war dort. In den Hütten wurden sogar Lagerfeuer gemacht. Die Kohlereste lagen noch dort.

Wir hatten gehört dass es kurz vorher rechts einen Trampelpfad geben sollte. Wann auch immer dieser mal dagewesen sein sollte, dort war nichts. Also sind wir den normalen Wanderweg gegangen und dieser war schöner als erwartet. Mit jedem Meter kamen mehr Farne am Boden empor und der Weg ging immer mehr in eine dschungelartige Umgebung über, bis wir irgendwann mittendrin standen: Im Dschungel. Überall grün, Lianen hingen von den Bäumen, die Vögel zwitscherten und die Luft war sauber und rein. Während die Sonne durch die Bäume schien genossen wir diese Ruhe und blieben immer mal wieder stehen. Mal um Luft zu holen, mal um das ein oder andere Foto zu schießen und dann einfach mal um die Ruhe für ein paar (längere) Sekunden zu genießen. Ich hatte Lisa noch gesagt das ich befürchte das wir gleich Treppen steigen müssen. So war es dann auch. Holzpfähle wurden mit Brettern wie Treppenstufen in den Boden gehauen. Anstrengend. Vor allem die Kombination aus Steigung, Hitze und dem unebenen Gelände. Nun merkte man, dass Lisa noch nie richtig wandern war, doch sie hielt durch. Die Stufen waren auch noch in unterschiedlichen Höhen und teilweise einen halben Meter (!) hoch. Das ging auf die Muskeln und der Muskelkater war vorprogrammiert (ich spüre ihn gerade beim schreiben auf der Terrasse :D).

Geschafft!

Doch wir kamen dem Ziel immer näher. Die Zahlen auf den Schildern wurden kleiner: 360m, 260m, 160m und dann… Finish. Durch die Höhenmeter waren die Schilder in längeren Abständen als man glauben könnte. Finish? Noch nicht ganz. Einige Stufen folgen noch und dann… Was für ein Ausblick! Ein anderer Deutscher war ebenfalls dort und hörte Musik über seine Kopfhörer. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber ok, jedem das seine. Lisa und ich genossen erst einmal diesen Ausblick auf die Welt unter uns. Grüne Wälder, Städte, die Sonne die durch dir Wolken einzelne Punkte beleuchtet. In jedem Computerspiel hätte ich gewusst, dass es dort eine Quest geben muss :D. Alles schien so klein und so ruhig. Der Stress der Welt ist an einem solchen Ort einfach nicht relevant. Während der Wanderung konzentriert man sich so stark auf sich selbst, seinen Körper, den Weg und die Natur um einen herum – und kann von allem anderen abschalten. Nach uns kamen noch einige Andere an mit denen wir uns ein wenig unterhielten und später einen Teil der Strecke zurück gehen würden. Währenddessen kamen die ersten Tropfen. Oh nein, bitte nicht…

Der Abstieg im Regen

Doch es kam wie es kommen musste. Es fing an zu regnen. Auf dem Rückweg waren wir zuerst noch durch den Dschungel gut geschützt. Das dichte Blätterdach schütze uns und in der Ferne klang es nach einem reißenden Fluss. Doch wir hatten keinen gesehen? Woher kam das Geräusch? Beim Übergang in den Pinienwald fing es dann leider noch mehr an zu regnen und wir sahen bereits jetzt wie zwei begossene Pudel aus. So einen Regen haben wir lange nicht mehr erlebt. Weil es so schön war wurde der Regen natürlich noch stärker und wir noch nasser, wenn das denn möglich war. Nach ca. 10km und knapp 5,5 Stunden kamen wir wieder zurück. Am Startpunkt des Wanderweges im Dorf wurden wir dann von einem freundlichen Cafebesitzer, der uns direkt Stühle hinstellte, ins trockene Cafe gebeten. Doch leider (und zum Glück) konnten wir diese freundliche Geste nicht lange nutzen da unser Bus (das war das Glück) direkt kam. Zu kalt war uns. Zu nass die Klamotten. Wir wollten nur noch ins Hotel, warm duschen und die Beine ausruhen. Ein super Erlebnis und tolle Erinnerungen. Ich war stolz auf Lisa und sie vor allem auf sich selbst das sie diese Tour gemeistert hat. Natürlich in dem Wissen, dass dies nicht die letzte Wanderung sein soll.

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